Folge 06: Durchs Boxen den Körper wieder spüren - Martinas Weg nach der Therapie zurück zu sich selbst
Shownotes
In dieser Episode von 'Fight Cancer – Im Ring gegen Krebs' begrüßt Host Natascha Barg die Gästin Martina, deren Krebserfahrung sich während der Corona-Pandemie ereignete und sich von bisherigen Interviewgästen unterscheidet. Die Folge stellt Martinas persönliche Krankheitsgeschichte, ihre Erfahrungen während der Therapie und ihren Weg zurück zu körperlicher Aktivität, insbesondere durch das Boxen, in den Mittelpunkt.
Besonders hervorzuheben sind Martinas Schilderungen der doppelten Belastung durch Krebsdiagnose und Pandemie, ihr aktiver Umgang mit der Krankheit durch Sport und Bewegung, sowie die emotionale Bedeutung des Boxens für ihre körperliche und mentale Genesung. Die offene Diskussion über Körpervertrauen, die Rolle von Respekt im Boxsport und die Ermutigung, neue Wege zur Krankheitsbewältigung zu gehen, bieten wertvolle Einblicke und Inspiration für Betroffene und Angehörige.
Am Ende der Episode betonen Martina und Natascha die Bedeutung von Sport, insbesondere Kampfsport, als unterstützendes Element im Heilungsprozess und rufen dazu auf, entsprechende Angebote zu nutzen oder auszuprobieren. Die Folge schließt mit einem Appell, die eigene Geschichte zu teilen, um anderen Mut zu machen, und einem positiven Ausblick auf die fortgesetzte Gemeinschaft im Training.
Wenn Du selbst betroffen bist oder jemanden kennst - hier sind die Kontaktdaten.
eMail: natascha@fight-cancer.de Website: www.fight-cancer.de Instagram: fightcancerpodcast
Transkript anzeigen
00:00:00: Fight Cancer im Ring gegen Krebs.
00:00:02: Geschichten von Mut, Stärke und unbesiegbare Hoffnung im Kampf gegen Krebs von und mit Natascha Barg.
00:00:12: Heute bei mir im Podcast Fight Cancer zu Gast ist Martina.
00:00:17: Hallo, Martina.
00:00:18: Hallo,
00:00:18: Natascha.
00:00:19: Ich freue mich total, dass du da bist.
00:00:20: Ganz besonders, weil deine Geschichte ist ein bisschen anders als ein paar der Interviews, die wir bis dato gehört haben.
00:00:28: Und das mit unseren Zuhörern zu teilen, da freu ich mich sehr drauf.
00:00:33: Dann legen wir mal los.
00:00:34: Martina, wir haben uns im Boxwerk kennengelernt, tatsächlich beim Boxen.
00:00:39: Da warst du schon durch die Therapie durch, richtig?
00:00:43: Genau, ich hab das Boxen erst nach meiner ganzen Erkrankungsgeschichte angefangen.
00:00:47: Dann erzählst du mal, was wurde bei dir, wann diagnostiziert, womit ging's dann so los?
00:00:53: Bei mir ging es tatsächlich los, wo alle an Corona und Lockdown dachten.
00:00:57: War ich kurz vorab am Frauenarzt und der meinte, das gefällt mir nicht.
00:01:01: Während alle in Lockdown waren, hab ich mir meine ganze Therapiegeschichte abgeholt.
00:01:08: Das ist ja noch mal eine doppelte Belastung gewesen, also kann ich mir nur so vorstellen.
00:01:12: Es war tatsächlich, ich hab dann später mal gehört, manche machen Partys während der Chemo und nein, bei uns war jeder mit der Maske drin.
00:01:18: Es war sehr, sehr einsam in dieser Zeit.
00:01:20: Warst du in der Tagesklinik oder warst du stationär?
00:01:24: Ich
00:01:24: war in der Tagesklinik.
00:01:25: Okay.
00:01:26: Und da muss ja dann auch irgendwie mit der Maske drin, aber auch so, wahrscheinlich so einfach keine Besucher.
00:01:33: Also wie war das in dem Krankenhaus?
00:01:36: Das war total Spooky während der Operation.
00:01:39: Ich musste acht Tage danach noch drinnen bleiben und mein Mann durfte geredet jeden Tag, um vierzig Minuten kommen.
00:01:46: Das war alles am Besuch, was in der Zeit kommen durfte.
00:01:50: Die Krankenschwestern waren da echt unsere große Rettung.
00:01:52: Die haben uns ständig irgendwie versucht, bei Laune zu halten.
00:01:56: Ja, Wahnsinn.
00:01:57: Also das wusste ich gar nicht.
00:01:58: Und ich versuch mir das gerade vorzustellen, weil bei mir waren X-Leute dann nachher im Krankenzimmer und haben mich irgendwie abgelenkt.
00:02:07: Wahnsinn.
00:02:09: Es war Spooky in der Zeit.
00:02:11: Und du hattest nicht Chemo?
00:02:13: Wie lange ging die?
00:02:14: Ich hatte praktisch sechs Stück in drei Wochen.
00:02:18: Bei der ersten Chemo war es tatsächlich so, dass die mich sechs Stunden auf diesem Stuhl gefesselt haben.
00:02:23: Und dann aber gesagt haben, wie Nächste wird schon langsamer oder schneller.
00:02:26: Ja.
00:02:27: Und das war dann praktisch ein Vierteljahr.
00:02:29: Wahnsinn.
00:02:29: Okay.
00:02:30: Und danach war es dann soweit gut, dass operiert werden konnte.
00:02:34: Und
00:02:35: dann war das Schöne, dass, bei mir waren leider beide Brüste betroffen, unterschiedlichen Gripsvarianten.
00:02:41: Nein.
00:02:42: Und dass die Chemo hat so gut angeschlagen, dass ... ... operiert werden konnte.
00:02:49: Ich habe mich danach voll operieren lassen, ... ... ich habe beide Brüste weg, ... ... weil das dann eben auch zu heiß war, ... ... dass noch mehr was kommt ... ... und danach ging es dann mit Antikörper weiter.
00:02:59: Hast du so eine Mutation, ... ... diese Brackerarm-Mutation, oder
00:03:03: ...?
00:03:04: Nee, das war tatsächlich zwar zwei verschiedene, ... ... aber bei mir war es jetzt auch nicht dramatisch.
00:03:08: Aber das ... ... haben die Ärzte was gesagt, ist das ... ... kommt das häufiger vor, dass man ... zwei verschiedene Krebse zur gleichen Zeit bekommt?
00:03:17: Sie waren tatsächlich auch verhundert über das.
00:03:20: Also es scheint nicht immer so häufig zu sein, aber es ist auch nicht selten, sagen wir es mal so.
00:03:25: Okay.
00:03:26: Aber ich fand es trotzdem cool, dass man den einen gesehen hat oder meinen Frauenarzt den gesehen hat, weil den anderen hätte ich selber hier tasten können.
00:03:33: Und von daher, ich hatte echt Glück im Unglück.
00:03:36: Ja, das höre ich tatsächlich manchmal.
00:03:39: Das ist immer eine Scheißdiagnose.
00:03:42: Aber ... Es gibt halt dann auch den Moment, wo man sagt, Glück im Unglück.
00:03:47: Genau.
00:03:47: Und ich, tatsächlich, ich weiß nicht, wie es dir ging, aber in dieser Zeit hat mich stärker gemacht, dann stabiler gemacht und egal, wie kaputt man dazwischen drin war, was war trotzdem so, dass man gesagt hat, okay, ich gehe da jetzt gestärkt raus.
00:04:01: Cool.
00:04:02: Ja, doch.
00:04:03: Das kann ich bestätigen.
00:04:05: Bei mir war von Anfang an klar, Nachdem der Schock über die Diagnosen war, erst war der Krebs, dann wurde gleich die Metastase, also hat er schon gestreut gefunden.
00:04:15: Und dann war klar Fyte-Mode on.
00:04:19: Das geht es nicht.
00:04:20: Den Moment werde ich tatsächlich nie vergessen, nachdem das klar war, dass bei mich gestreut war.
00:04:25: Und dann kriegst du ja deinen Plan, welche Behandlungen du kriegst.
00:04:28: Und das ist dann einfach so, okay, das ist jetzt abhaken, erste Chemo, zweitige Chemo, dritte Chemo, da kommt man so ins Tunsel, da kann ich das tun.
00:04:36: Die Zeit vorher bis zur Diagnose, das hat der Steuerer nicht, das fand ich tatsächlich am psychisch belastesten.
00:04:43: Im Luftraum hängt und ich weiß, was los ist.
00:04:45: Und danach ging's für mich.
00:04:47: Also ging mir ähnlich, ging mir ähnlich.
00:04:49: Hast du denn in der Zeit, weil du gesagt, psychisch belasten bist, die Diagnose da war, psycho-onkologische Betreuung in Anspruch genommen?
00:04:58: Nein, tatsächlich nicht.
00:05:00: Ich glaub, das wäre auch wegen Corona wahrscheinlich gar nicht so einständig.
00:05:04: Ich hatte aber den Vorteil, dass ja viele Frauen ihre Termine abzockt haben, wenn ich so mit schneller an Termine kam.
00:05:11: Also für mich war diese Wartezeit, Gott sei Dank, nicht so lange.
00:05:13: Das ist natürlich, das ist natürlich dann sehr hilfreich.
00:05:16: Also auch da mal... Ja, es hebt sich auch
00:05:20: auf einen Leitz zusammen freut.
00:05:22: Ja, klar.
00:05:23: Wenn durch Corona Termine für nicht notwendige Sachen abgesagt werden, bist du natürlich schneller durch.
00:05:29: Ja, super.
00:05:30: War
00:05:30: nicht gut.
00:05:32: Okay.
00:05:33: Okay, also man ist, wo man so ins Tun kam.
00:05:37: Hast du während der Therapie oft versucht, physisch aktiv zu bleiben oder war du, warst du einfach platt durch und es ging gar nix?
00:05:46: Ich habe tatsächlich, bevor ich zur Chemok fahren bin, habe ich mal immer noch den Handtrainer gequält, weil ich wusste, dass dann zwei, drei Tage gar nix geht.
00:05:54: Cool.
00:05:55: Und dann haben wir mit kleinen Spaziergängen wieder zurückgekämpft.
00:05:59: Und dieser drei Wochen Rhythmus war immer so, wo acht bis zehn Tage ging, gar nix.
00:06:04: Und die anderen zehn Tage war ich wieder richtig fit.
00:06:07: Da war ich dann wandern, bin Fahrrad gefahren, hab mir Münster angeschaut, hab's mir so richtig gucken lassen.
00:06:14: Warum auch nicht?
00:06:15: Man hat eine Scheißdiagnose, und da darf man auch sagen, ich mach jetzt mal dann das Beste draus, weil das stärkte ich ja dann auch wieder mental.
00:06:23: Ich
00:06:23: hab mich da echt viel bewegt, einfach so gut gingen in diesem Rhythmus.
00:06:27: Das hat echt gut getan.
00:06:29: Hast du auch aktiv Sport gemacht oder eher so dieser Freizeitbewegung, wie Spazierengehen?
00:06:34: Und die Wandern ist ja schon recht wortwörtlich.
00:06:36: Ja, unsere Wandern, ich war Walken.
00:06:38: Cool.
00:06:39: Und Schocken habe ich mich tatsächlich nicht dran getraut, weil das auch immer so ein bisschen anstrengend war zwischen.
00:06:43: Dann habe ich wahnsinnig viel Fahrrad fahren.
00:06:45: Super.
00:06:46: Das ging gut.
00:06:47: Okay, cool.
00:06:48: Und durch warst du dann wann mit allem?
00:06:51: Durch war ich dann praktisch Weihnachten, einundzwanzig.
00:06:55: Da hatte ich noch einen kurzen OP.
00:06:56: Und danach war ich fertig.
00:06:58: Fertig.
00:07:00: Und jetzt ist alles super im Moment.
00:07:01: Ich bin topfit und gesund.
00:07:03: Ach, das ist gut zu hören.
00:07:04: Ich muss mal ganz kurz.
00:07:06: Sorry, das klingt bestimmt total doof für euch da draußen, aber dieses Mal eben auf Holz klopfen ist wichtig.
00:07:11: Das ist, wir feiern es auch tatsächlich.
00:07:14: Sehr schön.
00:07:15: So, und jetzt bin ich ja total neugierig.
00:07:17: Wann hast du mit dem Boxen angefangen und wieso?
00:07:20: Ich hab durch diese Follow-P, ich war dann ein Jahr drauf noch mal auf Reha.
00:07:28: Weil ich gemerkt habe, dass ich selber Schwierigkeiten hatte, mit zu spüren, wo tut der Muskel wie und wo tun die Narben wie.
00:07:34: Und die haben mich dann langsam mal ein bisschen an Sport dran geführt, so richtig mit Geräten und so was kann ich tun und was nicht.
00:07:41: Ich bin aber niemand, der gerne jetzt Fitnessstudio geht.
00:07:45: Und ich liebe es mal, den Körper zu spüren.
00:07:47: Ja.
00:07:48: Und dann lag ich im Bett und habe über Instagram die Werbung von BoxFact gesehen, dass sie anfangen mit Frauen boxen.
00:07:55: Ja.
00:07:56: Und dann dachte ich mir erst, oh, da bin ich schon viel zu alt.
00:07:59: Und mein Mann hat gesagt, jetzt melde ich für diesen Kurs an.
00:08:01: Und wer weiß, es ist dann acht Wochen, wenn es da nicht gefällt, kannst du wieder auffahren.
00:08:06: Das war die beste Entscheidung meines Lebens.
00:08:08: Ich dachte, so nach zehn Minuten schon, ich gehe wieder.
00:08:12: Also es war wirklich anstrengend, das erste Training.
00:08:14: Aber ich habe gelernt, also ich bin jedes Mal mit an den Grenzen zurückgekommen, weil ausgepowerd, ich spüre meinen Körper wieder.
00:08:22: Das macht so zufrieden.
00:08:23: Ich hab am Anfang immer dieses Gefühl gehabt, diesem Gerät gestern Schnäppchen zu schlagen.
00:08:27: Man konnte seine ganze Wut rausboxen an diesem Boxsack.
00:08:31: Ich hab einfach auch gelernt mit diesem Boxsack und mit dem Training mit euch.
00:08:36: Wo sind meine Grenzen?
00:08:38: Ich baue langsamer Kraft auf.
00:08:39: Mega.
00:08:41: Okay, also das kann man jetzt ... Ich glaube, man hört dein Lächeln, was ich sehe.
00:08:47: Du strahlst gerade wirklich.
00:08:50: von einem Ort zum anderen geht dieses Lächeln.
00:08:53: Und ich glaub, das hört man total gleich nachher in der Aufnahme.
00:08:57: Ganz schön.
00:08:58: Wahnsinn.
00:08:59: Hattest du Vorbehalte, also nach dem Boxen, also Boxen ist jetzt nicht so der tägliche Sport, den man, oder hast du für dich früher für Boxen interessiert?
00:09:10: Hast du Boxen geguckt?
00:09:11: Boxen geguckt?
00:09:12: Nein, ich hatte es auch tatsächlich.
00:09:13: Also, ich fand dich schon immer ein spannender Sport.
00:09:16: Okay.
00:09:18: Aber auf dem Land, wo ich war, gab es das nicht.
00:09:23: Ich fand trotzdem für mich, das auszuprobieren, erst mal cool.
00:09:26: Also ich hatte keine Berührungsängste.
00:09:28: Und ich merke auch an mir, das macht auch was mit ... Also ich bin jemand, der sehr respektvoll mit Menschen umgeht.
00:09:35: Für mich ist es, auf jemanden einzuschlagen oder jemanden praktisch zu schlagen, im Moment ist schon echte Überwindung.
00:09:41: Und ich find's aber auch schön, wie wir miteinander umgehen.
00:09:45: dass wir auch lernen, respektvoll uns zu wehren.
00:09:49: Also nicht mit Schlägen, sondern auch, das macht bei mir was.
00:09:52: Ich kann mich anders wehren, wenn ich jetzt praktisch angesprochen werde, oder merke ich, ich bin selbstbewusster.
00:09:57: Ich weiß jetzt, ob mir nicht blöd ich könnte.
00:10:01: Das ist gar kein schlechtes Gefühl, ne?
00:10:03: Nein.
00:10:03: Ja.
00:10:04: Ich werde nie jemanden schlagen.
00:10:06: Das ist alles gut, aber dieses Wissen, ich könnte, wenn du mir blöd kommst, dann fände ich gut.
00:10:12: Total, also dem ist auch nichts hinzuzufügen.
00:10:16: Was mich jetzt in Sachen Goxen und Krebs noch interessieren würde.
00:10:20: Du sagst halt, man hat so das Gefühl, dem Krebs ein Schnäppchen zu schlagen oder eins drauf zu geben.
00:10:27: Begleitet dich das heute vier Jahre danach immer noch?
00:10:32: Oder war das am Anfang?
00:10:34: und jetzt ... Bist du einfach im Boxen um das Boxenwillens?
00:10:38: Ich bin jetzt beim Boxen um das Boxenwillens, weil es mir einfach wahnsinnig Spaß macht.
00:10:43: Ich mit euch einfach gerne.
00:10:45: Ich habe wahnsinnig viele nette Mädchen und Frauen da kennengelernt.
00:10:48: Ich merke aber trotzdem, ich war bevor ich die Diagnose bekommen habe, war ich mit mir und meinem Körper total in reinen.
00:10:55: Der Krebs, die Chemotherapie, die UPs, die Narben, die geblieben sind.
00:10:59: Ich merke, ich arbeite immer noch dran.
00:11:02: Meinem Körper, der bis zu dieser Diagnose immer gesund war, immer funktioniert hat.
00:11:08: Und mir da aber gezeigt hat, hier ist da die Grenze.
00:11:10: Da arbeite ich noch dran.
00:11:12: Und wenn es ganz krass ist, tut dieser Boxsack echt gut.
00:11:15: Ja.
00:11:16: Also, ich hab nie gelernt, Mut rauszulassen.
00:11:19: Und da kann ich es... Und drum tut mir das einfach auch gut.
00:11:22: Wahnsinn, ja.
00:11:23: Also ich kann das total bestätigen, dieses Gefühl, immer gesund gewesen zu sein.
00:11:28: Ich hatte genauso das Glück, ich hatte immer eine, man sagt, so eine Konstitution wie ein Pferd.
00:11:34: Ich war immer gesund, das ist ja mal eine Erkältung.
00:11:37: Aha, selbst, also nicht mal Magen, ich war immer Topfit, hab immer Sport gemacht, nicht gesund ernährt und war auch, wo ich dachte, mir passiert nichts.
00:11:47: Ich werd hundertzwanzig und alles ist tutti.
00:11:51: Und dann kommt so eine Diagnose und die reißt dann ziemlich den Boden und dann Füßen weg und da dann natürlich auch jetzt noch, danach, das wirkt nach.
00:12:03: Also das ist noch so.
00:12:04: das, wo ich dran arbeite, einfach wieder mit mir zu fliegen zu sein, körperlich das Gefühl wegzukriegen, dass mein Körper stabil oder mich im Stich gelassen hat.
00:12:15: Das war ja der erste Moment war wirklich so, wie mein Körper habe mich im Stich gelassen.
00:12:20: Psychisch auch wirklich hart zu ziehen.
00:12:23: Dass du dir und deinem Körper vertrauen kannst.
00:12:25: Weil er ist ja jetzt wieder gesund und er macht wieder alles mit mir.
00:12:28: Im Boxen ist er wirklich anstrengend.
00:12:30: Oh ja.
00:12:31: Und er macht das alles mit und zeigt mir auch, dass wieder alles geht.
00:12:35: Aber es tut einfach gut.
00:12:37: Ja.
00:12:37: So.
00:12:38: Also es wird, Sport war schon immer für mich wichtig und das ist jetzt einfach ein Sport, wo ich sage, hey, da bin ich.
00:12:44: Rundum im Kopf entspannt, der Körper fertig.
00:12:46: Passt.
00:12:47: Passt.
00:12:48: Super gut.
00:12:49: Ich fand das gerade ganz spannend, wie du auch noch mal gesagt hast, dem Körper zu vertrauen und diese Einheit wiederherzustellen, dass es nicht ich, der Geist, mit oder gegen, also dass der Körper und Geist so separat betrachtet wird, sondern dass es wieder eine Einheit wird.
00:13:08: Und beim Boxen, du hast ja eben auch gerade gesagt, da ist der Kopf aus.
00:13:13: Weil wenn du beim Boxen anfängst nachzudenken, dann ist er auch schon vorbei.
00:13:16: Ja, das muss ich.
00:13:18: Und ich finde tatsächlich, das ist eine super Training, weil der Beinschlag kommt und mein Körper reagiert ja mitten.
00:13:25: Der Kopf ist aus, aber er reagiert.
00:13:27: Und von daher ist dieses Vertrauen kommt da schon wieder sehr gut zurück.
00:13:31: Okay.
00:13:32: Das kann ich total nachvollziehen und bestätigen.
00:13:35: Und in Sachen Respekt, weil du auch meintest, du bist ein Mensch, der sehr respektvoll mit anderen umgeht, empfindest du im Boxen, im Boxsport, dass wir respektvoll miteinander umgehen, gegenseitig, wenn wir da miteinander trainieren, im Sparring oder im Ring stehen?
00:13:53: Ich finde es schon.
00:13:54: Es ist niemand dabei, der wahllos zuschlägt.
00:13:59: Und ich finde uns immer so süß, weil wenn jemand mal wirklich aus Versehen richtig getroffen hat, dann heißt er, tschuldigung.
00:14:07: Am Ende ist das auch, das ist so ein Frauending, oder?
00:14:11: Ich
00:14:11: glaube, ja.
00:14:12: Aber ich finde, auch wenn wir Spurring machen, ist es so, dass wir aufeinander achten.
00:14:17: Und niemand, wenn er merkt, du bist jetzt hier offen, voll reinschlägt, sondern auch nur, dir zeigt, hier wär's gewesen.
00:14:24: Und das ist schon ein Miteinander mehr.
00:14:26: Definitiv.
00:14:27: Und ich finde es auch schön, wir haben Frauen drinnen mit Kopftuch, wir haben Frauen drinnen, die alt sind, die jung sind, die irgendwelche Gebrechen haben und jeder, mit jeder, geht sehr respektvoll um.
00:14:38: Ja.
00:14:39: Da noch nie erlebt, dass es irgendjemand gab, der rausgebissen worden wäre oder diese ganze Studienbesichtigkeit, weil nur Frauen, nein.
00:14:46: Nein.
00:14:47: Ich glaube, das ist wahrscheinlich auch wieder sowas, was sich im Kampfsport trifft, ringt vielleicht auch so ein mentales Mindset mit, wo man sagt, Man geht ja sehr nah miteinander oben, ne?
00:15:00: Und wir sind alle verschwitzt.
00:15:02: Das ist schon sehr körperlich.
00:15:05: Und das muss man halt auch zulassen und dem auch mit Respekt begegnen, glaube ich.
00:15:10: Ich finde schon, also, mir empfällt es immer auf und ich genieße es auch tatsächlich.
00:15:14: Wenn mir jetzt sagt, du hast immer mehr jetzt wieder Vertrauen in dein Körper.
00:15:19: Hast du das Gefühl, dass du auch mehr auf dein Körper ... Horigst?
00:15:25: Also in Form von sagst du mir gerade Körper, ich rauche hier eine Pause oder ich hätte gern mehr Aufmerksamkeit.
00:15:32: Also bist du achtsommer mit deinem Körper geworden?
00:15:36: Ich habe mir ja voll vorgenommen, dass ich alles langsam angehen werde.
00:15:43: Und bin dann zurückgekommen in den Topf.
00:15:46: ... nach fünf Monaten, ... ... und dann hat sich so ein Türchen aufgemacht, ... ... wo ich andere Sachen machen konnte, ... ... die mir mega freudig machten, ... ... und man hat Vollgas, die geht mit.
00:15:55: Und irgendwann ist man dann aufgefallen, ... ... okay, du wolltest eigentlich achtsamer sein ... ... und ich arbeite dran.
00:16:00: Ich versuch, also ich höre auf meinen Körper, ... ... wenn der sagt, das geht gerade nicht, ... ... dann mache ich es auch nicht.
00:16:04: Ich führe, ich war Trainerin, ... ... wenn ich da erkältet war, ... ... habe ich durchzogen, ... ... weil ... ... gibt ja keinen Ersatz, also musst du.
00:16:10: Jetzt mache ich halt einfach mal ... ... einen Tag oder zwei keinen Sport, ... ... dann geht es wieder ... Wenn ich merke, dass mein Körper zu stressig ist oder dass er zum Flattern anfängt, dann höre ich auf ihn.
00:16:22: Und wir sind ja jetzt frisch umgezogen.
00:16:24: Das war auch ein Grund.
00:16:24: Ich habe gemerkt, dass mich dieses Stadt ... ich komme nicht mehr runter.
00:16:27: Das ist alles zu laut, zu viel, zu lärmig.
00:16:30: Jetzt auf dem Land mir ... ... betilte ich.
00:16:32: Nach einem Tag bin ich wieder entspannt.
00:16:34: Also, ja, da hat mein Körper ganz laut geschrieben.
00:16:37: Okay.
00:16:38: Aber nach Boxen verlangt der Körper nach wie vor.
00:16:40: Nach Boxen
00:16:41: verlangt er immer noch.
00:16:42: Und der Geist auch.
00:16:43: Der Geist auch.
00:16:43: Sensational.
00:16:44: Das heißt, da ist kein Ende in Sicht, es wird weiter geboxt werden.
00:16:48: Es wird weiter geboxt werden.
00:16:49: Super cool.
00:16:50: Und hast du vor, irgendwann mal, ja, also jetzt keine Profi-Karriere anzugehen dafür?
00:16:56: Wenn ich
00:16:57: ja schon zu alt war, dann muss ich ja schon auch beim gewissen Lachlzern im Ring gewesen sein.
00:17:01: Ja, das ist wahr.
00:17:03: Aber es gibt ja immer mal auch so Sparring-Tuniere oder sowas.
00:17:06: Hast du da ... Hast du dir noch ein Ziel gesteckt oder einfach nur Spaß am Boxen und schneller und besser werden?
00:17:12: Für mich ist es wirklich nur noch das Spaß am Boxen.
00:17:14: Ja, cool.
00:17:15: Nein, das ist ja, man ist ein toller Sport.
00:17:17: Da kann man sagen, was du willst.
00:17:18: Und guckst du seitdem jetzt auch Boxen im Fernsehen oder Kämpfer?
00:17:23: Ich war tatsächlich zum ersten Mal beim Bierzelt-Boxen.
00:17:27: Ah, wie lustig.
00:17:28: Und wir überlegen, morgen ist ein Land zu Bierzelt-Boxen.
00:17:32: Nein.
00:17:33: Ob man es anguckt, ich merke, dass mich auch ein bisschen mehr interessiert, was Arme das so tun.
00:17:37: Also da vielleicht kleiner Tipp.
00:17:39: Heute Abend ist, wir nehmen ja auf, das heißt, wenn ihr es da draußen hört, ist das wahrscheinlich schon lange um und ihr kennt die Ergebnisse.
00:17:47: Aber heute Abend boxt Nina Meinke in Rostock den Rückkampf um den IWF-Titel, so um zwanzig Uhr.
00:17:56: Deswegen, das... Leicht
00:17:58: wird's mein erster Kampf, dem ich mal schaue.
00:18:00: Ich werd mir definitiv anschauen, wie gesagt, wenn die Episode live ist, wissen wir alle schon, wie's geworden ist.
00:18:07: Aber ja, das ist halt so.
00:18:10: Okay, das ist natürlich sehr spannend.
00:18:12: Du bist super gesund und so soll's auch bleiben.
00:18:15: Wir haben schon einmal gerade eben auf Holz geklopft.
00:18:18: Aber dennoch, wenn du so einen Blick nach vorne werfen würdest und es käme in irgendeiner Form eine andere oder ähnliche Diagnose, würdest du versuchen, das Boxen auch in die Zeit der Krankheit mit reinzubringen, weil es dir Stärke gibt?
00:18:34: Ich habe gelernt und bei euch auch gesehen, dass das euch mega weitergebracht hat.
00:18:40: Und mit der Erfahrung, die ich ja jetzt gemacht habe, im Nachhinein, ich würde es versuchen, durchzuziehen.
00:18:44: Man muss auf den Körper hören, ob es geht oder nicht, aber ... Wenn ich jetzt mal Revue passiere, die ist mir immer ging, so in der zweiten Hälfte, da wär's echt gut gegangen.
00:18:53: Und von daher, ja, weil das ist ... Man kann sich erst selber einteilen, wie viel man macht in dem Moment und wie stark man da reingeht.
00:19:01: Und ich glaube, das ist schon ein Megasportes für diese Geschichte.
00:19:04: Weil er am Ende eine geile Kombination ist von wegen, er macht dich fertig, aber er macht dich stärker.
00:19:10: Genau.
00:19:11: Genau so.
00:19:12: Das ist so ... dieses Kämpferherz irgendwo, oder?
00:19:16: Ja.
00:19:17: ...
00:19:17: was dadurch noch mal richtig befeuert wird.
00:19:20: Und das ist auch so ... ... vom Gefühl her ist es dieses typische ... ... Hinfallen, Aufstehen, Grünchen, Rücken, weiter geht's.
00:19:26: Genau.
00:19:27: Und so.
00:19:28: Liegen bleiben ist keine Option.
00:19:29: Und im Boxen schon mal gleich gar nicht ... ... und bei so einer Diagnose erst recht nicht.
00:19:34: Genau.
00:19:34: Und von daher ... ... passt die Comedy, finde ich, mega gut.
00:19:37: Wenn man krank ist, ... ... sich da wieder die Kraft zurückzuholen.
00:19:40: Ja.
00:19:41: Und für denjenigen oder diejenigen, die selbst auf Boxen ist, ist nicht meins.
00:19:45: Hey, es gibt jede Menge andere Kampfsportarten.
00:19:48: Aber ich glaube gerade, dass das Thema Kampfsport, genau wie du sagst, hinfallen, kröntchen rücken, weitermachen.
00:19:55: Denn das hast du halt in Kampfsport ist immer dabei.
00:19:58: Da gibt immer die Variante auch beim Judo.
00:20:00: Schmeißt dich einer auf die Matte oder ähnliches.
00:20:03: Und
00:20:03: ich glaube, wenn man mit den Anfängern anfängt, sind alle auf dem gleichen Level.
00:20:07: Genau so.
00:20:08: Und ich kann langsam da reinwachsen.
00:20:10: finde, man darf keine Bildungsängste vor diesem Sport haben, sondern man sollte es testen.
00:20:16: Ich würde mir wünschen, dass es vielen ja Frauen ausprobieren, weil das echt überraschend cool ist.
00:20:21: Ja, ich glaube damit, das ist ein super, super Statement zum Ende hin, dass es viel mehr Frauen ausprobieren, aber natürlich auch Männer ausprobieren, diese Kombination Sport.
00:20:35: Boxsport, Kamsport und Diagnose und Krankheit, also es in die Therapie einzubinden.
00:20:41: Da gibt es ein paar Initiativen deutschlandweit.
00:20:44: Ich habe natürlich hier im Rahmen des Podcasts auch etwas recherchiert.
00:20:47: Es gibt tatsächlich auch in Rosenheim eine Initiative, die heißt Boxen gegen Krebs.
00:20:52: Total cool.
00:20:53: Da wird das aktiv angeboten von der dortigen Klinik in Zusammenarbeit mit dem Boxverein.
00:21:00: Da gibt es auch ein Interview zu.
00:21:02: Aber davon soll es, glaube ich, einfach noch mehr Angebote geben, denn es ist etwas, was einem super hilft, durch so eine schwere Zeit durchzukommen.
00:21:10: Das stimmt.
00:21:11: Super.
00:21:12: Dann kann ich nur sagen, Martina, es war mir eine Freude, dich hier zu haben.
00:21:16: Danke, dass ich da sein durfte.
00:21:18: Und dann sehen wir uns bald wieder im Training, im Ring.
00:21:21: Jawohl.
00:21:23: Sensationell.
00:21:24: Das war Fight Cancer im Ring gegen Krebs.
00:21:26: Wenn dich diese Folge berührt hat, teile sie und gib anderen, die Kraft weiter zu kämpfen.
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