Folge 11: Therapeutisches Boxen mit Sabrina Eckes - Wenn Heilung im Vordergrund steht
Shownotes
In dieser Folge spreche ich mit Sabrina, einer Krankenschwester und Boxtherapeutin, die zeigt, wie Boxen weit mehr ist als nur ein Sport. Sabrina erzählt, wie sie in einer ihrer schwierigsten Lebensphasen zum Boxen fand und dabei nicht nur körperliche Stärke, sondern vor allem seelische Stabilität gewann. Wir tauchen ein in die Welt des therapeutischen Boxens, beleuchten wissenschaftliche Erkenntnisse, Anwendungsbereiche von Trauma bis Krebs und warum Boxen die Seele retten kann. Gemeinsam diskutieren wir, wie Emotionen, Selbstwirksamkeit und Resilienz durch gezielte Bewegungen gefördert werden – ganz ohne Leistungsdruck. Wenn du wissen willst, wie Boxen Menschen hilft, sich selbst wiederzufinden und neue Kraft zu schöpfen, solltest du diese Folge nicht verpassen.
https://sabrinaeckes.de/
https://www.trauma-und-sport.de/
www.starkwerk-trauma.de/
#### Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF)
https://www.dgsf.org/
#### Cogito-Studie (Universität München)
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6158/
#### Meta-Analysen zu therapeutischem Boxen
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=therapeutic+boxing+meta+analysis
Transkript anzeigen
Hallo zusammen. Meine heutige Interviewpartnerin bringt einen für mich ganz neuen Aspekt zum Boxen. Sie selber boxt schon lange und kommt eigentlich aus einem Kehrberuf und macht jetzt therapeutisches Boxen. Aber hört doch einfach direkt von ihr, worum es geht. In der neuen Folge von Fight Cancer im Ring gegen Krebs. Geschichten von Mut, Stärke und unbesiegbare Hoffnung im Kampf gegen Krebs. Von und mit Natascha Waag. Hallo Sabrina, Schön, dass du heute hier bist. Hallo. Ich freue mich auch. Wunderbar. So, ich habe ja schon so ein bisschen was angekündigt, gerade in der Einleitung. Vielleicht fangen wir genau einfach mal mit dir an? Wer bist du? Was machst du sonst so, dass du ein bisschen was über dich erzählst? Ja, gerne. Also, ich heiße Sabrina und bin acht und dreißig Jahre alt. Habe einen kleinen Sohn. Der wird jetzt fünf. Und von Haus aus bin ich Krankenschwester und bin aber auch gleichzeitig Boxtherapeutin in eigener Praxis. Ich habe von dir ja erfahren. Du boxt schon eine ganze Weile. Wie lange boxt du eigentlich und wie bist du zum Boxen gekommen? Also ich selber boxe jetzt schon seit über zehn Jahren und zum Boxen selber bin ich gekommen, in einer meiner schlimmsten Zeiten. Ich würde sagen, in einer Phase, in der es mir mental und auch gesundheitlich überhaupt nicht gut ging. Ich hatte gleichzeitig starke Rückenschmerzen und rückblickend kann ich sagen, dass ich in dieser Zeit auch überhaupt nicht mit mir selber verbunden war. Ja, ich bin ständig über meine eigenen Grenzen gegangen, habe körperliche und auch emotionale Signale ignoriert und habe einfach funktioniert. Auch in meinem Job als Krankenschwester Immer funktioniert, funktioniert. Und dann kam irgendwann ein Wendepunkt also. Gesundheitlich und auch mental. Ich auch in keiner guten Beziehung war. Und ja, viel. Viel Trubel. Also es war sich viel am sortieren. Mich irgendwie erst mal selber sammeln und wieder neu neu finden und bin tatsächlich dann über einen Flyer bei meiner Physiotherapeutin zum Boxen gekommen. Das heißt im ersten Schritt. Also natürlich hat das alles reingespielt, aber im ersten Schritt, weil du warst ja bei deiner Physiotherapeutin, war das so ein eher körperlicher Aspekt, so nach dem Motto, ob mir das Boxen für den Rücken gut tut? Genau. Genau. Also das würde ich auf jeden Fall sagen. Für. Für die körperliche Fitness. Einfach mal, noch mal ein bisschen mehr Stabilität kriegen. Die Rückenprobleme, dass die weniger werden. Das war so eigentlich mein Hauptaspekt. Diese diese seelische Geschichte, würde ich sagen. Die hatte ich damals zuerst noch gar nicht so auf dem Schirm. Also die war gar nicht so präsent. Tatsächlich? Ja, das hast du. Bist dann zum Boxen gekommen, um körperlich was für dich zu tun. Um da wieder. Ja, wie du schon sagst, stabiler zu werden, fitter zu werden und Ähnliches Und hast dann mit der Zeit beim Boxen erst gemerkt, was eigentlich noch alles so passiert. Genau. Also ich habe dann für mich gemerkt, über Boxen kommt man ganz gut an seine Emotionen ran. Also es war auch im Training ganz oft überwältigend. Also ich habe dann auch mal geweint und geflucht. Ja, Boxen wurde dann ganz schnell für mich zu einem Anker, zu einem Halt, zu einem Ventil, wo ich auch ganz viel Frust und Wut rauslassen konnte. Und. Aber vor allem habe ich gemerkt, ich komme wieder in Verbindung. Also ja, mit mir selbst und mit meinem Körper. Ja, mit der Zeit hat sich natürlich auch so die Haltung verändert. Die Körperhaltung im wahrsten Sinne dann auch einfach innerlich mehr Stabilität gemerkt für mich. Fluchen tun wir, glaube ich alle mal im Boxtraining. Spätestens dann, wenn der oder die Trainer in eine neue Kombination zeigt, man sich das anguckt, denkt klar kriege ich hin und dann sowas von über die eigenen Füße und Arme stolpert. Oder aber ich muss sagen, am Anfang ging es mir überhaupt gar nicht so um Technik, die hat mich überhaupt nicht interessiert. Also das hat mein Trainer dann auch gemerkt und er hat dann schon immer gehört, aber auch mit dazu. Aber für mich ging es wirklich in erster Linie einfach nur mal darum, drauf zu hauen und Aggressionen rauszulassen. Okay, gut, also ich kann sagen, ja, das kann ich bestätigen, aber definitiv dieses Fluchen kommt bei mir glaube ich immer dann, wenn man wie gesagt an einer Kombination arbeitet und dann sich dann zwischendrin doch immer nicht merken kann, was war es jetzt irgendwie mal ducken oder Ähm, das habe ich zumindest immer. Das ist immer der Moment, wo ich also Mist dann so wie bei Asterix und Obelix, wenn dann diese kleine Wolke über dem Kopf mit diesen lauter durchgestrichenen Symbolen. Nicht okay. Also es ging dann mehr, um ja auch mal die Wut rauszulassen, während man auf einen Sandsack drischt und dadurch auch sich selber wieder zu spüren. Denn das ist definitiv physisch intensiv und dadurch bekommt man durchaus noch mal einen ganz anderen Kontakt wieder zu seinem eigenen Körper. Genau. Also. Also ich habe dann auch irgendwann für mich gemerkt, okay, ich kriege noch mal die Kontrolle, ich bin noch mal, ich komme in die Selbstwirksamkeit, ich bin handlungsfähig, ja, hab das einfach noch mal für mich in meinem Körper spürbar machen können. Sehr schön. Sehr schön. Wie lange hast du denn? Also. Oder? Nee, die Frage merke ich mir für gleich. Wie bist du denn zum therapeutischen Boxen gekommen? Zum therapeutischen Boxen? Bin ich ja durch Zufall übers Internet gekommen, habe irgendwann gesehen, da wird eine Ausbildung angeboten zum Boxtherapeuten Boxcoach Also ich hatte zuerst den Boxcoach gemacht und habe dann darauf aufgebaut und den Boxtherapeuten gemacht. Genau, war dafür. In Karlsruhe und in Hannover bin ich zum zum therapeutischen Boxen gekommen. Ja, und wann war das so in deiner Boxkarriere? In deiner eigenen? Also du hast wie lange schon geboxt, als du darüber gestolpert bist oder es gefunden hast. Ja, es sind jetzt zehn Jahre. Also hast du es gleich ganz früh am Anfang deiner, als du angefangen hast zu boxen. Gleich mit dem therapeutischen Boxen. Das meine ich. Wie lange hast du geboxt, bevor du es entdeckt hast? Ja. Also, ich habe schon zehn. Elf Jahre erstmal für mich selber geboxt und bin dann jetzt erst über die Ausbildung gestolpert. Okay, okay, das war mir so noch nicht ganz klar. Und was was konkret ist denn therapeutisches Boxen, also therapeutisches Boxen ist eine behutsame, körperorientierte Methode, die dabei unterstützen kann, die innere Stabilität zu fördern, den Selbstwert zu stärken und auch vor allem noch den Zugang zu sich und zu seinen Emotionen zu erleichtern. Also ich sage immer Boxen kann viel mehr als nur Muskeln trainieren. Genau. Und Boxen hilft. Oder therapeutisches Boxen hilft einfach psychosoziale Herausforderungen zu überwinden. Ja, im Fokus stehen da einfach ganz klar noch mal ins Spüren zu kommen. Die Wahrnehmung, ja, sein eigenes Erleben, aber ohne Leistungsdruck Und werden da. Welche Techniken werden da so angewendet? Also wenn du sagst, es geht natürlich darum, psychosoziale Themen zu bearbeiten, es geht nicht um Leistungsdruck, es geht nicht um Fitnessboxen. Es geht nicht darum, dass ich jetzt schaue, was meine Herzfrequenz so macht. Welche Techniken werden denn dann im therapeutischen Boxen angewendet? Also beim therapeutischen Boxen ist es ja so durch diese rhythmischen Überkreuzbewegungen, also es sind ja ganz viele Überkreuzbewegungen, wird die bilaterale HemisphärenStimulation angeregt, sodass beide Gehirnhälften gleichzeitig arbeiten. Und das kann halt helfen, Stress zu reduzieren, innere Alarmzustände zu beruhigen oder auch belastende Erfahrungen besser zu regulieren oder aufzulösen. Das heißt, wenn es darum geht, das Überkreuzbewegung stattfinden. Das heißt, du achtest schon darauf, dass diejenigen, die zu dir kommen, Einen guten Stand haben im Boxen. Also dass die, je nachdem, ob sie links vorne oder rechts vorne stehen, aber dass der Box, also der Stand ordentlich ist und dann schon auch beim Einsatz der Hände Arme darauf zu achten, dass die Füße auch benutzt werden. Also so ganz leichte. Also ich will nicht sagen Footwork, aber wenn es um Überkreuz geht, dann ist natürlich gerade auch die Koordination Arme Füße relevant, oder? Genau. Also ich fange eigentlich immer an, diesen sicheren Stand einzuüben. Das ist halt natürlich erstmal alles super ungewohnt. Dein Gewicht auf Links zu verlagern und da zu gucken, dass halt auch die die Bein oder Fußarbeit funktioniert. Wobei therapeutisches Boxen nicht unbedingt auf dieses Ich muss es jetzt alles können ja perfekt. Sondern es geht wirklich mehr um die Wahrnehmung. Also diese Techniken stehen oder diese Techniken sauber auszuführen wie im Kampfsport, ist gar nicht vorrangig. Ja, weil es halt natürlich auch für viele Klienten, die zu mir kommen, dann auch erst mal total überfordernde sein kann. Oh Gott, jetzt diese ganzen Techniken, der sichere Stand. Ja, werden dann auch ganz schnell ganz unsicher. Und das ist ja das Gegenteil von dem, was du erreichen willst. Genau. Ja, das heißt, das Ziel ist schon halt, das Ganze in so kleinen Schritten auch beizubringen, dass Erfolgserlebnisse da sind. Aber das vor allen Dingen auch das Gefühl für den eigenen Körper wiederkommt. Genau. Also ich sage auch wirklich zu meinen Klienten, Also ganz ihr bestimmt euer Tempo. Ihr bestimmt das Tempo. Also hier geht es nicht um Druck oder um Leistung oder um irgendwas Kämpferisches, sondern ihr. Ihr gibt das Tempo vor. Also auch in kleinen Schritten. Auch langsam. Das ist alles. Ganz ohne Stress. Trainierst du denn mit Sandsack oder mit Pratzen? Wie machst du das genau? Also die Übungen kann man tatsächlich ganz variieren. Im Sandsack, also am Sandsack, Übungen, Pratzen, Technik oder auch mit Schwimmnudeln und am Wand Schlagkissen. Genau das sind diese Materialien, die ich dann zur Verfügung stelle. Und nutzen deine Klienten und Klientinnen auch tatsächlich. Boxhandschuhe oder nur Bandagieren die nur ihre Hände oder wie machen die das? Also zu Anfang bandagiere ich und dann auch klar mit Boxhandschuhen. Ja, damit auch da die Sicherheit im Vordergrund steht. Natürlich. Genau. Was ich noch vergessen habe zu sagen ist ich habe auch noch ein Doppelendball, der schwingt ganz leicht hin und her. Der ist auch super für Körperwahrnehmungsübungen, den kann man auch gut ohne Boxhandschuhe benutzen, weil der halt super leicht und weich ist und da die Verletzungsgefahr einfach auch nicht gegeben ist. Ja, super. Für wen ist denn therapeutisches Boxen geeignet? Also therapeutisches Boxen oder bzw. Mein Angebot richtet sich eigentlich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Die kommen so zu mir in meine Praxis. Genau, das Angebot oder generell therapeutisches Boxen hat sich sehr bewährt bei Traumafolgestörungen, bei Depressionen, Ängste, aber auch bei Suchterkrankungen, Borderline, Persönlichkeitsstörungen, ADHS, Burnout. Aber man kann auch ganz viele Übungen machen bei Trauer zur Trauerbewältigung auch und ja, oder auch bei Impuls und Zwangsstörungen. Genau. Also es ist wirklich breit gefächert. Das klingt danach. Das klingt wirklich nach einem breiten Spektrum. Nun dreht sich ja bei mir im Podcast das häufig um das Thema Krebs. Wie schaut es denn in dem Umfeld aus? Hattest du schon mal eine Krebspatientin oder einen Krebspatienten bei dir im therapeutischen Boxen? Beziehungsweise was würdest du, wenn jemand zu dir käme, mit denen machen oder denen raten? Also ich hatte schon Klienten, die eine Krebserkrankung auch überstanden haben. Die kamen aber meist mit anderen Themen. Also da stand die Krebserkrankung jetzt gar nicht im Vordergrund. Genau. Ja. Und würdest du also, wenn jemand mit einer Krebserkrankung kommt. Also ich meine jetzt das Thema traumatische. Also ich meine, das ist ja eine traumatische Diagnose. Würdest du dann, wenn jemand mit einer überstandenen Erkrankung zu dir kommt, schauen, dass du eher dann den Umgang zum Beispiel mit der Bearbeitung dieser Krankheit angehst oder eher aufbauend auch auf die. Bisschen auf die Physis, weil so eine Krebstherapie ist ja durchaus auch zehrend. Was wäre da so dein Hauptanspruch? Also deine Frage war noch mal wenn jemand mit einer Krebserkrankung kommt, würdest du dann eher schauen oder nach einer Krebserkrankung kommen? Dass du eher die Traumabearbeitung mit denen angehst, weil das natürlich eine traumatische Diagnose ist oder eher den den körperlichen Bereich? Weil ich erinnere mich, dass du ja gesagt hast, dass das Thema Chemo Brain gar nicht zwingend Chemo Brain ist, sondern Trauma Brain. Also meistens frage ich die Klienten ja auch immer, was ist jetzt vordergründig, Welches Thema bringt ihr mit? Oder welche Auftragsklärung liegt vor? Und okay, gut, das kann man da natürlich dann ganz genauso anwenden. Du hast vorhin auch gesagt ganz viele Kinder und Jugendliche, oder? Für Kinder und Jugendliche ist das gut geeignet. Kannst du hier noch mal drauf eingehen? Was, was dort das therapeutische Boxen den Kindern und Jugendlichen bringt? Also ich bin ja selber Krankenschwester, noch in der Kinder und Jugendpsychiatrie, biete da auch therapeutisches Boxen an, also generell therapeutisches Boxen hat sich sehr bewährt in der Jugendhilfe, in Jugendhilfeeinrichtungen oder jetzt auch in der Kinder und Jugendpsychiatrie. Da haben wir natürlich auch viele Kinder und Jugendliche mit ADHS, mit Impulskontrollstörungen, mit, aber auch viele junge Mädels mit Selbstwertproblemen oder auch einem gestörten Körperbild mit einem gestörten Essverhalten. Ja, viele Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen familiären Dynamiken kommen, wo es vielleicht zu Hause nicht so schön einfach ist. Ja, die berichten mir oder geben mir Resonanz, dass das das Boxen einfach in ihnen auch viel gibt, sie sich selber auch dadurch noch mal mehr spüren, sich ernst genommen fühlen, noch mal mehr Bezug zum eigenen Körper bekommen, aber auch ganz klar mehr Wut und Aggression abbauen können, Was daheim vielleicht auch ein bisschen schwieriger ist, was ja was gerade vielleicht auch getriggert wird. Das wirkt sich wahrscheinlich bei denen dann auch positiv auf die Konzentrationsfähigkeit aus, oder? Auf jeden Fall. Also ich bin ja in der Tagesklinik, also im tagesklinischen Setting und dort haben die Kinder und Jugendlichen auch Schule, Klinik, Schule. Dort berichten die Lehrer auch positiv, dass das die Konzentration besser war, die Aufmerksamkeit besser war. Gerade wenn ich eine Stunde therapeutisches Boxen vor der Schule mit dem Kind hatte, das natürlich auch schön zu hören. Auf jeden Fall sind das immer Einzelstunden bei dir oder machst du auch Gruppenstunden? Also gerade so bei den Kindern jetzt in der Kinder und Jugendpsychiatrie, also auch eins zu eins im eins zu eins Kontakt, aber auch manchmal im Gruppenkontakt. Da gucke ich halt schon, dass die Kinder, die Jugendlichen zusammen passen, vielleicht ähnliche Themen haben. Genau das. Das muss man, glaube ich, immer ganz individuell entscheiden. So wie es gerade auch machbar ist. Man muss das Kind oder den Jugendlichen auch immer dort abholen, wo er gerade steht. Manche wollen auch gar nicht in der Gruppe, haben, da ja auch generell vielleicht eher Schwierigkeiten, sich zu öffnen, zu reden. Deswegen manchmal bleiben auch einfach nur im eins zu eins Kontakt. Wie kommen denn Klientinnen und Klienten zu dir? Also mit den Kindern und Jugendlichen, die bei euch in der Tagesklinik sind. Das kann ich mir gut vorstellen, weil du bietest es ja da auch an! Wie kommen denn sonst Klientinnen und Klienten zu dir. Ich habe einen Instagram Account, wo ich auch so ein bisschen das therapeutische Boxen vorstelle. Die Wirkung, was es bringt, was es für einen Nutzen hat und macht da hin und wieder Beiträge drüber. So ein bisschen Werbung auch. Habe auch eine Internetseite. Genauso kommen meine Klienten meistens dann zu mir. Das heißt, es wird jetzt noch nicht verschrieben von Therapeuten oder Ärzten. Nee, leider tatsächlich noch. Überhaupt leider gar nicht. Nein, gar nicht. Kann man ja nur für die Zukunft hoffen, weil Sport oder bewegungstherapie wird ja schon aktiv verschrieben, oder? Ich glaube ja. Ja, also ich glaube auch bewegungstherapie bezüglich sogar Osteoporose. Das wird glaube ich sogar verschrieben und auch von den Krankenkassen übernommen. Aber therapeutisches Boxen hat da glaube ich einfach noch zu zu wenig Sichtbarkeit kann zu sagen, seit wann es das gibt das therapeutische Boxen. Wurde das damals bei deiner Ausbildung von dieser Schule genannt? Also ich wüsste es jetzt nicht. Seit wann ist das genau gibt? Aber ich weiß, dass das es schon seit über fünf Jahren dass dazu geforscht wird. Gibt es da schon wissenschaftliche Erkenntnisse? Ja, also es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse. Diese belegen auch die Wirkung der Boxtherapie, vor allem auf drei Ebenen. Also einmal der erste Punkt. Da geht es halt um Stress und Gesundheit, was das therapeutische Boxen macht. Also es ist auf jeden Fall, es reduziert Stress, es kann depressive und auch ängstliche Symptome reduzieren und fördert vor allem die Selbstwirksamkeit und auch die emotionale Entlastung. Und der zweite Punkt ist Trauma und Körperwahrnehmung. Also ganz klar therapeutisches Boxen verbessert auf jeden Fall das Körpergefühl, steigert vor allem das Gefühl von Selbstkontrolle und Selbstermächtigung, was gerade bei Traumafolgestörungen oder bei Traumapatienten nicht gegeben ist und hat auf jeden Fall positive Effekte auf das eigene Wohlbefinden und aber auch auf kognitive und emotionale Verarbeitung, also gerade belastende Themen. Ereignisse kann man da gut mit gezielten Übungen reduzieren oder auch auflösen. Es gibt noch einen Punkt, das ist der neurologische Punkt in Bezug auf Bewegung und Gleichgewicht. Also es verbessert auf jeden Fall Gleichgewicht und auch den eigenen Gang Balance. Genau. Die Mobilität wird verbessert, aber auch die Koordination ist auch gut durchführbar. Bei neurologischen Erkrankungen wie jetzt zum Beispiel bei Demenz, bei Parkinson oder auch bei Multiple Sklerose. Und es gibt auch aktuelle Metaanalysen, Die zeigen insgesamt positive Effekte zum therapeutischen Boxen. Gut, die Studienlage ist teilweise, also sie ist heterogen und weitere Studien sind halt noch in Arbeit. Also ja. Studienlage zu therapeutischen Boxen oder Studien generell. Die sind in den letzten fünf Jahren schon. Also die haben schon enorm zugenommen. Ja, das sind so auf jeden Fall mal die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die es gibt. Ja, ich bin ja sowieso sehr davon überzeugt, dass Kampfsport generell sehr positive Effekte hat auf Menschen, auf den gesamten Körper, auf die Psyche, auf die Koordination, auf das Wohlbefinden. Und beim Boxen finde ich gerade auch, also jetzt beim selbst beim normalen Boxen, weil ich habe persönlich keine Erfahrung mit therapeutischen Boxen, finde ich sind die Möglichkeiten, die man hat, genau wie du sagst, um mal Wut rauszulassen, Frust rauszulassen, aber auch dann wieder das tolle Gefühl, wenn man was Neues gelernt hat. Oder wenn man nach so einer Stunde Boxtraining rausgeht. Da. Natürlich ist es schon sehr körperlich und auch mit Fitnessaspekten. Aber wenn man wie man sich danach fühlt, wieder, wie gut der Körper dann einem auch Rückmeldung gibt, das finde ich ganz großartig. Und deswegen kann ich mir das super vorstellen, dass das therapeutische Boxen ganz besonders Menschen hilft, die ja mit vielen dieser Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die du eben beschrieben hast. Kommen denn hauptsächlich Männer oder Frauen zu dir oder ist das bunt gemischt? Auch bei den Kindern sind es mehr Jungs, mehr Mädels oder es hält sich das so fifty fifty. Es ist eigentlich bunt gemischt. Also sowohl Jungs als auch Mädels vom Alter. Jetzt in meiner Praxis von Anfang zwanzig bis Anfang siebzig, also ganz bunt gemischt. und die Kinder sind in welchem Alter? Die sind im Alter von acht bis siebzehn. Mhm. Ja, gerade so in der wichtigsten Prägephase. Genau. Das heißt, wenn die aber in der eins zu eins Stunde bei dir sind, lernen die durchs Boxen, also durchs therapeutische Boxen, auch dieses Respekt voreinander fair miteinander umgehen. Weil das ist ja etwas, was ich finde, was du gerade in normalen Kampfsporttraining sehr stark hast, was ja Leute, die noch nie Kampfsport haben, gemacht haben, sich immer nicht vorstellen können, dass Kampfsportler eigentlich die fairsten, ja sehr respektvolle Menschen sind, weil man gelernt hat, wie man miteinander umgeht. In so einer Situation bringst du denen das auch im therapeutischen Boxen bei? Auf jeden Fall. Das ist gehört einfach mit dazu Ein respektvoller Umgang gerade in der Kinder und Jugendpsychiatrie gibt es natürlich auch immer noch. Nur Kinder, die ganz gern dann gewisse Situationen herauskitzeln, wo man merkt, da fällt es vielleicht auch manchmal schwierig mit der Konzentration, mit dem Zuhören, dass man, dass man das Kind oder den Jugendlichen dann immer noch mal da abholt, wo es vielleicht gerade auch ist. Aber schaut, was, was machbar ist, wenn es auch gar nicht funktioniert. Um Gottes willen, dann, dann bringt es auch nichts. Dann sage ich okay, dann vielleicht an einem anderen Tag. Vielleicht ist heute auch gerade kein guter Tag. Das darf dann auch alles sein. Also ja, es ist wirklich tagesformabhängig. Aber Respekt ist ja gehört einfach mit dazu. Klingt klingt und klingt sehr umfassend. Auf alle Fälle. Hast du auch den Eindruck, dass deine Klientinnen und Klienten durch das therapeutische Boxen an Resilienz gewinnen? Und wie würdest du Resilienz definieren für dich? Also Resilienz ist ja ganz allgemein, also die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, mit Rückschlägen oder auch mit belastenden Gefühlen umzugehen und vielleicht auch noch mal ein bisschen besser Grenzen für sich setzen zu können. Also beim Boxen kann man ja generell intensive Emotionen rauslassen, gleichzeitig aber lernen, sie zu steuern. Man kann sie auch. Ja, man kann lernen, die Gefühle bewusst zu kanalisieren. Und man lernt, besser mit innerem Druck umzugehen, statt sich von ihm überwältigen zu lassen. Aber auch körperlich, emotional wie auch mental. Also das gehört für mich alles so in diese Überschrift Resilienz. Und das kann man beim therapeutischen Boxen ja gut für sich nochmal erfahren auch und dann aus der Erfahrung es mit in den Alltag nehmen. Genau. Ja, Wahnsinn. Apropos Alltag Du hast vorhin gesagt, Boxen macht viel mehr, als nur Muskeln zu stärken. Hast du für dich so ein ich sage mal, so eine Life Hack oder etwas, was dir hilft, wenn du gerade mal wieder vielleicht etwas down bist oder ähnliches, was du dann machst, um dich wieder zu stärken oder rauszukommen aus dieser aus diesem Tal. Dann zieh ich mir natürlich meine Boxhandschuhe an Hast du einen Sandsack bei dir in der Wohnung? Genau bei mir In der Praxis, ja. Ja, Und das ist auch immer wieder ein schönes Gefühl. Dann wirklich. Dann drehe ich die Musik mal laut auf und. Genau. Und lass mal alles raus kommen noch mal bewusst in die Atmung zurück. Manchmal gelingt es mir auch mal nicht so gut, an anderen Tagen besser. Aber es ist so wie ein Befreiungsschlag, einfach dann genau seine Techniken am Sandsack umzusetzen oder am Wand Wandschlagkissen. Das Thema Atmung ist brutal wichtig. Ich habe neulich ein Real angezeigt bekommen, da hat ein Trainer angeblich seinen Teilnehmer so eine Kindertröte, die sich so aufrollt, gegeben, damit er dran denkt, beim Schlagen auch wirklich auszuatmen und nicht die Luft anzuhalten und zu verkrampfen. Weil manchmal neigt man ja dazu, wenn man Kraft ausüben will, dass man die Luft anhält. Aber das steigert ja dann nur die Verkrampfung. Und gerade dieses Loslassen und Ausatmen hat den doppelten Effekt Am Ende wird dein Schlag schneller und stärker und du kannst Dinge ja wirklich rauslassen, was ja das Ziel am Ende ist. Auf jeden Fall. Also ich muss sagen, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Die Atmung beim Boxen auch. Meine Klienten, die zu mir in die Praxis kommen. Ich sage immer Einatmen tun mal alle automatisch. Nur dieses Ausatmen wird oft Vergessen und da noch mal bewusst auch ein Augenmerk drauf zu legen. Atme mit jedem Schlag bewusst aus. Sonst verkrampft dein Zwerchfell. Du bist komplett angespannt. Das das macht noch mal alles um einiges effektiver. Auch gerade bei bei den Trauma Betroffenen. Die, die sagen selber ja ganz oft. In Situationen, an die ich mich erinnere, ist mir die Luft weggeblieben. Und da kam keine Erleichterung zum Ausatmen. Ja, man ist so erstarrt, so eingefroren auch in seiner Atmung. Und das zieht sich dann auch so durchs Leben. Ganz natürlich. Denn etwas, was ich jeden Tag mache, das sieht man zwar vielleicht in der Stunde Training, aber am Ende ist es halt das, was eigentlich immer passiert. Und im Training wird es nur sichtbar gemacht, als wenn man da eine Lupe draufhält oder in einer Stunde therapeutisches Boxen. Und hast du auch ich sag mal so was wie eine Powerquote oder etwas, was dich motiviert, wo du sagst Hey, davon bin ich fest überzeugt und das könnte auch anderen helfen. Also überzeugt davon bin ich auf jeden Fall, dass Boxen Leben retten kann, dass Boxen die Seele retten kann. Und ja, das ist so mein mein Leitsatz irgendwie, der für mich hängen geblieben ist. Den zweiten Teil finde ich fast noch schöner das Boxen die Seele retten kann. Das wird ja gerade oftmals, wenn man Menschen erzählt, dass man boxt, dann haben die ja eher ein sehr aggressives Bild oder testosterongesteuertes aufeinander einschlagen. Und wenn man dem entgegnet, was du gerade gesagt hast Boxen kann die Seele retten. Das ist stark. Ja, sehr cool. Sabrina gibt es noch etwas, was du. Doch. Ich wollte noch etwas sagen, bevor wir. Bevor wir zu Ende kommen. Wie kann man denn auch zum therapeutischen Boxen kommen? Also sprich, wenn ich mich jetzt dafür interessiere, mich weiterzuentwickeln und so eine Ausbildung zu machen, wo, wo und wie finde ich denn da Informationen und welche Voraussetzungen gibt es? Ja, also Voraussetzungen fällt mir jetzt nur gerade ein. Zum Bockstherapeuten Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie es beim Boxcoach ist, aber ich glaube, die Voraussetzungen waren, dass man halt aus einem medizinischen gesundheitlichen Bereich kommt, sei es, man ist Erzieher, Heilerziehungspfleger, man kommt aus der Krankenpflege oder Arzt Heilpraktiker. Da bin ich mir jetzt tatsächlich aber gar nicht mehr hundertProzentig sicher. Aber es gibt Voraussetzungen, ja, und die sind aber wahrscheinlich auf der Gänge auf der Webseite von zum Beispiel dieser, diesem Anbieter, bei dem du das gemacht hast, mit Sicherheit beschrieben und enthalten. Genau. Ich packe einfach den Link dazu in die ShowNotes. Dann kann sich jeder, der sich dafür interessiert, informieren. Genau. Wichtig wäre vielleicht noch zu sagen, dass auch die Ausbildung zum Boxetherapeuten oder auch zum Boxcoach zertifiziert ist. Von der deutschen, von der Deutschen Systemischen Gesellschaft für Trauma und Bewegungstherapie. Das wäre vielleicht noch ganz wichtig. Und einen wichtigen Punkt hätte ich auch noch tatsächlich zu sagen Zu Boxen bei Krebspatientinnen, das wäre mir noch ganz wichtig. Also auf den ersten Blick wirkt Boxen ja vielleicht hart oder sogar widersprüchlich. Gerade im Kontext von einer schweren Erkrankung wie jetzt bei Krebs. Diagnose bedeutet ja sowieso immer einen tiefen Einschnitt. Der Körper fühlt sich oft fremd an, die Energie fehlt. Und ich glaube, emotional kommt da ganz viel einfach ins Wanken. Und genau hier setzt halt therapeutisches Boxen an! Also durch diese gezielten, angepassten Bewegungen können Betroffene halt wirklich noch mal Schritt für Schritt in ihrem Tempo die Kraft oder ihre ihre eigene Kraft wiederentdecken. Es gibt ja auch dieses Phänomen Chemo, also Chemobrain. Das umfasst so, es ist so ein Schlagwort, da geht es halt um diese kognitiven Beeinträchtigungen bei Krebs. Chemobrain ist so ein Begriff, der ja verschiedene kognitive Veränderungen zusammenfasst, also wie Konzentrationsstörungen die Vergesslichkeit. Man hat vielleicht Wortfindungsstörungen und es gibt da auch eine Studie der Uni München dazu. Diese nennt sich CogitoStudie und die wurde bei Brustkrebspatientinnen durchgeführt und lange wurde angenommen, dass diese Symptome durch die Chemotherapie entstehen. Aber diese Studie der Uni München legt nahe, dass manche dieser kognitiven Veränderungen einfach mit der starken seelischen Belastung einer Krebsdiagnose zusammenhängen können. Und auch in der Untersuchung zeigten sich vor allem, dass diese Patientinnen kognitive Verschlechterungen berichteten, die gleichzeitig aber auch Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörungen entwickelten. Das ist. Das ist total spannend, denn dieses Chemobrain ist natürlich etwas, was, was man hört, was man auch selber vielleicht mal mehr oder mal weniger erlebt als krebspatient. Dass das am Ende vielleicht gar nichts mit diesen starken Medikamenten zu tun hat, die man bekommt, sondern eher eine psychische Thematik ist aufgrund des Traumas dieser schweren Diagnose. Das ist interessant und diese Studie werde ich definitiv in Anschluss an unseren Podcast mal auch durchlesen. Und die Links dazu findet ihr alle in den ShowNotes. Wer sich dafür interessiert. Denn genau von solchen Sachen kann man ja auch profitieren, wenn man dann mit anderen Betroffenen spricht und dann darauf eingeht, was dann auch wieder zeigt, dass man die psychische Komponente bei schweren Erkrankungen wirklich nicht unterschätzen darf. Genau. Ja, sehr spannend, liebe Sabrina. Ganz ganz vielen herzlichen Dank Dir für dieses wunderbare Gespräch. Ich habe sehr, sehr viel gelernt und werde definitiv mal reinschauen in die mögliche Ausbildung, zum Sport, zum zum Boxtherapeuten. Einfach aus Neugierde. Ich komme jetzt aus keinem Gesundheitsberuf, aber ich kenne definitiv in meinem Umfeld einige, mit denen ich zusammen boxe, die in so einem Beruf tätig sind oder auch im Kinder und Jugendhilfebereich tätig sind. Und ich denke genau, gerade da kann das wahnsinnig positive Effekte haben. Auf jeden Fall. Ja, liebe Sabrina, vielen herzlichen Dank für das tolle Interview, für das tolle Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin ganz, ganz viel Erfolg. Auf der einen Seite würde ich dir gerne wünschen, dass du ganz, ganz viele Klienten hast, aber eigentlich wünscht man sich ja immer, dass Menschen gesund sind. Aber wir wissen ja alle, dass es Dinge gibt, die einen belasten, die dazu führen, dass man Hilfe suchen sollte und annehmen sollte. Und wenn man da die Gelegenheit hat, was ganz Neues zu lernen, wie bei dir im therapeutischen Boxen, was einem dann nachher weiterhilft, das ist, glaube ich, eine ganz, ganz wunderbare Kombination. Sabrina, danke dir. Ich wünsche dir noch einen tollen Tag. Dir auch. Machs gut. Bis dann. Ciao. Ciao, Ciao. Ciao. Das war Fight Cancer im Ring gegen Krebs. Wenn dich diese Folge berührt hat, teile sie und gib anderen die Kraft, weiter zu kämpfen.
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